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27.02.2004

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Warum Sie Gemeinschaftsdepots vermeiden sollten

Stellen Sie sich einmal folgenden Fall vor (er beruht auf einer tatsächlichen Begebenheit): Geschäftsführer Meier hatte in den siebziger und achtziger Jahren mit großem Erfolg die M-GmbH aufgebaut. 1990 verkauft er sie für umgerechnet zwei Millionen Euro. Den Verkaufserlös legt er auf einem Gemeinschaftsdepot von sich und seiner Frau an. Die beiden sind ohne Ehevertrag verheiratet. 2003 stirbt Frau Meier.

Als das Finanzamt dies erfährt, passiert die Katastrophe: Herr Meier muss nun für die von seiner Frau geerbte Million Erbschaftsteuer zahlen, obwohl es sich doch eigentlich um sein eigenes Geld handelte. Zum anderen kassiert das Finanzamt noch rückwirkend Schenkungsteuer für die hälftige Übertragung des Depots an Frau Meier im Jahr 1990. Dafür werden auch noch Hinterziehungszinsen und Bußgelder fällig.

Ist das nicht längst verjährt? Nein. Die Festsetzungsfrist für die Schenkungsteuer dauert regulär vier Jahre, in Hinterziehungsfällen zehn Jahre. Die Frist beginnt aber erst in dem Zeitpunkt zu laufen, zu dem das Finanzamt von der Schenkung erfährt. Da die Meiers 1990 nichts gemeldet hatten, hat die Verjährungsfrist also nie zu laufen begonnen. Das Finanzamt kann also theoretisch noch Schenkungsteuer für Übertragungen aus den fünfziger oder sechziger Jahren verlangen.

Wie hätte man das noch retten können? Die Meiers hätten noch zu Lebzeiten von Frau Meier durch notariellen Ehevertrag zur Gütertrennung übergehen sollen. Dann hätte Frau Meier einen Zugewinnausgleichsanspruch gegen ihren Mann gehabt. Hätte man die Schenkung im Jahr 1990 darauf angerechnet, wäre die Schenkungsteuer rückwirkend entfallen.

Fazit: Wenn ein Ehegatte sein eigenes Vermögen auf einem Gemeinschaftskonto oder -depot anlegt, gilt das als hälftige Schenkung an den Ehegatten. Die Schenkungsteuer für derartige Schenkungen verjährt nie, wenn das Finanzamt nicht über die Schenkung in Kenntnis gesetzt wird.

Vermeiden Sie also - zumindest wenn es um größere Vermögen geht - gemeinschaftliche Depots mit Ihrem Ehepartner. Achten Sie auf eine strikte Trennung und besprechen Sie Vermögensverschiebungen unter den Eheleuten vorher mit Ihrem Steuerberater.


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