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15.01.2004

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Bei einer Mehrfachbeschäftigung sollten Sie Ihr Gehalt kürzen

Falls Sie sich eines Tages entschließen sollten, eine weitere GmbH zu gründen und auch dort die Geschäftsführerposition zu übernehmen, sollten Sie Ihr Gehalt in der ersten GmbH anpassen. Tun Sie das nicht, könnte Ihnen das Finanzamt eine „verdeckte Gewinnausschüttung“ unterstellen. Eine ungeklärte Frage ist allerdings bis heute, wie dieser Gehalts-Abschlag berechnet werden soll.

Ein aktuelles Gerichtsurteil gibt einen Anhaltspunkt zur Höhe der Gehaltskürzung: Wenn in der alten GmbH aufgrund der Mehrfachbeschäftigung der bisherigen Geschäftsführer ein weiterer Geschäftsführer eingestellt werden muss, muss sich die Gehaltskürzung an dem Gehalt des neuen Geschäftsführers orientieren.

Das Gericht ging hierbei so vor: Es unterstellte, dass der neue Geschäftsführer seine Arbeitskraft zu einem Drittel zu einer Umsatzsteigerung einsetzen konnte. Zwei Drittel waren jedoch durch den Ersatz der weggefallenen Arbeitskraft der zwei alten Geschäftsführer verursacht. Deshalb hielt es das Gericht für richtig, die Geschäftsführergehälter der alten Geschäftsführer um jeweils ein Drittel des Gehalts des neuen Geschäftsführers zu kürzen.

Interessant hierbei: Die beiden alten Geschäftsführer hatten vorher Bezüge, die unterhalb des steuerlich Zulässigen lagen. Insofern waren die Bezüge auch nach Minderung des Arbeitseinsatzes in der alten GmbH immer noch angemessen. Das Gericht meinte aber, dass das ursprünglich festgelegte Verhältnis von Arbeitsleistung und Gehalt maßgeblich sei. Dieses sei durch die Aufnahme einer anderen Tätigkeit gestört worden. Deshalb müsse eine Anpassung vorgenommen werden. (Fundstelle: FG Köln, 14.11.02, EFG 03, 488) 

Das obige Urteil ist aber noch nicht das letzte Wort: Denn zur Frage der Angemessenheit der Bezüge bei Mehrfachgeschäftsführung sind derzeit mehrere Verfahren beim Bundesfinanzhof anhängig.

Wie Sie deshalb jetzt vorgehen sollten: Sie müssen ihr ursprüngliches Gehalt kürzen, wenn Sie einer zusätzlichen anderen Tätigkeit in einer anderen Gesellschaft nachgehen. Um unnötige Diskussionen mit dem Finanzamt zu vermeiden, sollten Sie auf jeden Fall den Passus aus Ihrem Geschäftsführervertrag streichen, der Sie verpflichtet, „... Ihre gesamte Arbeitskraft der GmbH zur Verfügung zu stellen.“

Im Übrigen können Sie bis zum Ergehen einer höchstrichterlichen Entscheidung den Gehaltsabschlag bei Mehrfachgeschäftsführung entsprechend dem jeweiligen Zeitanteil berechnen und darauf hoffen, dass Ihr Finanzamt dem folgt.


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