/images/gmbhp-home-image1.jpg

IZW Tipp-Datenbank -

Ohne langes Lesen verständlich für Sie zusammengefasst.

Jetzt bis 31.07.19 kostenlos testen, denn als Abonnent haben Sie unbegrenzten Zugriff auf alle Tipps! Zur Leseprobe

Tipps suchen...
Zum PDF Archiv

05.08.2010

Als PDF herunter laden

EXTRA: Wie Sie sicher durch die nächste Betriebsprüfung kommen

Eine Betriebsprüfung ist nie angenehm. Manche Unternehmer überschätzen jedoch die Bedeutung einer Betriebsprüfung und machen sich im Vorfeld zu viele Sorgen. Tatsache ist: Man kann einer Betriebsprüfung durch richtige Vorbereitung viel von ihrem Schrecken nehmen.


Wann beginnen Sie mit der Vorbereitung auf eine Betriebsprüfung?


Am besten sofort, auch wenn weit und breit noch keine Prüfungsanordnung in Sicht ist. Oder, um die alte Fußball-Weisheit zu strapazieren: „Nach der Prüfung ist vor der Prüfung.“

Denn die Vorbereitung auf eine Betriebsprüfung gleicht der Vorbereitung auf einen Marathonlauf. Wenn Sie in einem Monat einen Marathon laufen möchten, und fangen erst heute mit dem Trainieren an, haben Sie keine Chance. Das Gleiche gilt bei einer Betriebsprüfung. Wenn Ihre Buchführung und Ihre Vertragsangelegenheiten in Unordnung sind und Sie erst einen Monat vor dem Prüfungsbeginn mit dem Aufräumen anfangen, werden Sie bei der Prüfung Schiffbruch erleiden. Die Vorbereitung auf eine Betriebsprüfung ist also eine Daueraufgabe für jeden Unternehmer. Das heißt vor allem auch konkret: Verbuchen Sie alles regelmäßig, vollständig und sauber.

 

Wann müssen Sie überhaupt mit einer Prüfung rechnen?

Das hängt von Ihrer Einstufung in Größenklassen ab. Für die Zuordnung ist entscheidend, dass einer der beiden Grenzwerte überschritten wird. Als „Mittelbetrieb“ werden Sie etwa alle 12 Jahre geprüft, als Großbetrieb regelmäßig alle drei bis vier Jahre, und dann lückenlos. Eine lückenlose Prüfung nennt man „Anschlussprüfung“, weil sich die nächste Prüfung der vorigen anschließt. Kleine Betriebe und Kleinstbetriebe werden jahrzehntelang oft gar nicht geprüft. Als Kleinbetriebe gelten Betriebe mit über 160.000 € Umsatz oder über 34.000 € Gewinn.

Allerdings: Einen Rechtsanspruch darauf haben Sie nicht, so der Bundesfinanzhof: „Die Finanzverwaltung ist weder an einen bestimmten Prüfungsturnus noch einen Prüfungsrhythmus gebunden. Es besteht keinerlei Selbstbindung der Verwaltung, die eine Außenprüfung in kürzeren Abständen als dem statistisch ermittelten durchschnittlichen Turnus ausschließt. Eine derartige Selbstbindung widerspräche dem mit der Außenprüfung verfolgten Ziel. Hieraus folgt, dass auch Kleinst-, Klein- und Mittelbetriebe einer Anschlussprüfung unterworfen werden können.“ (BFH, 02.10.07, X B 225/06, nv)

 

 Betriebsart
 groß  mittel
 Handel 

 Umsatz über 6,9 Mio. €
Gewinn größer 265.000 €

 Umsatz über 840.000 €
Gewinn größer 53.000 €
 Fertigung  Umsatz über 4,0 Mio. €
Gewinn größer 235.000 €
 Umsatz über 480.000 €
Gewinn größer 53.000 €
 andere 
(v. a. Dienstleistungen)

 Umsatz über 5,3 Mio. €
Gewinn größer 305.000 €
   Umsatz über 710.000 €
Gewinn größer 59.000 €

                  
                 

In welchem Turnus darf geprüft werden?

Vor allem in NRW wird oft jährlich geprüft. Das hat den Vorteil, dass man Planungssicherheit gewinnt und Nachzahlungszinsen vermeidet. Der Nachteil ist, dass man dann jedes Jahr den Stress mit dem Betriebsprüfer hat. Und das muss man nicht hinnehmen, wenn man nicht will. Eine Firma in NRW hat gegen die Prüfung im Jahrestakt geklagt - und gewonnen: „Es ist ernstlich zweifelhaft, ob die ... eingeführte zeitnahe Betriebsprüfung von Großbetrieben, bei der vom Finanzamt jeweils nur ein Veranlagungszeitraum geprüft wird, gegen den Willen des Unternehmens ermessensfehlerfrei angeordnet werden kann.“ (FG Köln, 13-V-1232/09, 07.07.09, BB 09, 1891)


Woran können Sie sehen, ob Sie womöglich auf der Liste stehen?

Sehen Sie sich mal Ihre Steuerbescheide an (sowohl betriebliche als auch private). Falls dort ein Vermerk zu finden ist: „Unter Vorbehalt der Nachprüfung nach § 164 Abgabenordnung“, heißt das, dass sich das Finanzamt eine Prüfung zumindest vorbehält. Dieser Vorbehalt bedeutet zwar nicht zwingend, dass eine Prüfung stattfindet, ist aber zumindest ein Indiz dafür. Umgekehrt: Fehlt dieser Vorbehalt auf Ihren Steuerbescheiden, sind die Steuerbescheide endgültig. Dann ist eine Betriebsprüfung zwar nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich. Denn der Prüfer könnte, selbst wenn er etwas findet, die Steuerbescheide nur sehr eingeschränkt ändern.

 

Diese Punkte prüfen 99 Prozent aller Betriebsprüfer

1. Negative Kassenbestände: Es gibt keine Kasse, in der weniger als 1 Cent sein kann. Achten Sie auf dieses Detail bei Ihrer Kassenbuchführung. Wenn Sie eine Kasse mit Minusbeständen haben, wird man Ihnen pauschal eine unordentliche Buchführung unterstellen.

2. Offene Posten:
Achten Sie darauf, dass Ihre Forderungen und Verbindlichkeiten stets sauber abgestimmt sind.

3. Fehlende Belege: Machen Sie sich immer sofort auf die Suche nach fehlenden Belegen. Wenn Sie Zahlungen ohne Beleg erst einmal verbuchen, und später „bei Gelegenheit“ den Beleg beim Lieferanten anfordern wollen, werden Sie das garantiert vergessen.

4. Geschenke und Bewirtungen: Schreiben Sie bei Geschenken die beschenkten Personen am besten immer gleich auf die Rechnung und füllen Sie Bewirtungsbelege immer sofort nach der Bewirtung aus. Denn Sie werden es kaum schaffen, kurz vor der Betriebsprüfung 500 Bewirtungsbelege auszufüllen.

5. Vertragsangelegenheiten mit Angehörigen: Haben alle mitarbeitenden Angehörigen einen schriftlichen Arbeitsvertrag? Werden diese Arbeitsverträge auch so gelebt? Das heißt: Arbeitet der Familienangehörige wirklich mit und bekommt er regelmäßig seinen Lohn auf ein Konto, auf das nur er Zugriff hat?

6. Mietverträge mit der Familie:
Beliebtes Prüfungsfeld von Prüfern sind auch Mietverträge für Immobilien, die an Familienangehörige vermietet werden. Wichtig: Der Vertrag muss schriftlich und fremdüblich sein, die Miete muss fließen. Ebenfalls wichtig: Eine jährliche Nebenkostenabrechnung.


Jetzt wird es ernst: eine Prüfungsanordnung geht ein


In der Regel meldet sich ein Betriebsprüfer zuerst einmal telefonisch, um den Termin mit Ihnen abzusprechen, bevor er eine schriftliche Prüfungsanordnung verschickt. Treffen Sie die Terminabsprache gemeinsam mit Ihrem Steuerberater, denn den werden Sie bei der Betriebsprüfung garantiert brauchen.

Klären Sie rechtzeitig, wo die Prüfung stattfinden soll:
bei Ihnen oder im Steuerbüro. Nach der Betriebsprüfungsordnung sollen die Prüfer Betriebe zwar direkt vor Ort prüfen, in der Praxis sind die Prüfer aber meist einverstanden, beim Steuerberater zu prüfen. Denn dieser kann Rückfragen sofort beantworten. Dennoch wird der Prüfer es sich nicht nehmen lassen, Ihr Unternehmen auch einmal selbst in Augenschein zu nehmen.

Wird oft als „Tipp“ gepriesen: In vielen Checklisten zur Betriebsprüfung wird empfohlen, die Prüfungsanordnung auf formelle Fehler hin zu untersuchen, um dann sofort Einspruch einzulegen. Das können Sie getrost vergessen: In aller Regel sind die Prüfungsanordnungen eindeutig und fehlerfrei. Und selbst wenn nicht, würde das Finanzamt nach Ihrem Einspruch die Prüfungsanordnung sofort nachbessern und Sie hätten wenig gewonnen - außer einer Verschlechterung des Prüfungsklimas. Ein Einspruch gegen die Prüfungsanordnung lohnt sich nur im absoluten Notfall, nämlich dann, wenn Ihnen der Termin überhaupt nicht passt, und der Prüfer nicht mit sich reden lässt. In diesem Sonderfall legen Sie den Einspruch am besten so kurz wie möglich vor dem angekündigten Erscheinen des Prüfers ein oder drücken ihn ihm bei seinem Erscheinen gleich persönlich in die Hand. Zugleich müssen Sie „Aussetzung der Vollziehung“ beantragen.

 

Vorbereitung von Unterlagen

Sofern Ihr Steuerberater die Buchführung erledigt hat und die Prüfung betreut, wird er Ihnen mitteilen, was Sie alles bereithalten sollen. Wenn Sie sich selbst darum kümmern müssen, benötigen Sie diese Unterlagen:

Kontoauszüge, Bankbelege, Erträgnisaufstellungen, Buchungsbelege, d. h. vor allem Eingangsrechnungen und Bar-Belege, Reisekostenabrechnungen, Bilanzen mit Gewinn- und Verlustrechnung und Anlageverzeichnissen und Inventurlisten, Kassenbücher. Bei GmbHs benötigen Sie folgende Verträge (ggf. mit Gesellschafter-Beschlüssen):

 Vertrag Anmerkung

Genehmigung durch Gesellschafter-
Versammlung notwendig?
Ursprünglicher Geschäftsführer-
Anstellungsvertrag

Prüfen: Wurden seitdem Gehaltserhöhungen oder zusätzliche Leistungen vereinbart (Dienstwagen, Urlaubsgeld)?

Wenn ja, Änderungsvereinbarungen vorlegen

 Ja
 Pensionszusage    Ja
 Darlehensverträge
(Darlehen von der
GmbH)
   Nein
 Darlehensverträge
(Darlehen an die
GmbH)
 Für zinslose Darlehen ist kein Vertrag notwendig  Nein
 Mietverträge
mit der GmbH
 Für mietfreie Über-
lassungen ist kein
Vertrag notwendig
 Nein



Übrigens: Der Prüfer verlangt i. d. R. nicht während der Prüfung: „Suchen Sie mir mal den Vertrag raus oder jenen“. Gleich bei Prüfungsbeginn wird er sagen: „Bitte legen Sie mir jetzt alle GmbH-Verträge vor, die seit der letzten Prüfung geschlossen wurden“. Sie haben dadurch schlechte Chancen, während des Prüfungsverlaufs noch Verträge nachzuschieben, ohne dadurch unangenehm aufzufallen. Gehen Sie daher vorher obige Checkliste durch, um sich keine Blößen zu geben.


Es geht los: der Prüfer kommt


Stellen Sie am Vortag noch einmal sicher, dass alle Belege vorhanden sind (s. o.). Man sollte auch noch einmal daran denken, dass es für eine strafbefreiende Selbstanzeige nicht zu spät ist, solange der Prüfer noch nicht da ist.

Auftreten gegenüber dem Prüfer: Treten Sie dem Prüfer gegenüber höflich distanziert und korrekt auf, also weder feindselig, noch herzlich oder gar kumpelhaft. Der Prüfer tut nur seine Pflicht, irgendwelche Feindseligkeiten hat er nicht verdient. In der Regel startet die Betriebsprüfung mit Small Talk und formlosen Gesprächen über die wirtschaftliche Lage im Allgemeinen und Ihrer GmbH im Besonderen. Falls sich die Lage Ihres Unternehmens seit der letzten Prüfung verschlechtert hat, sollten Sie dies einschließlich der Gründe dafür darstellen. Sie sollen nicht um Mitleid betteln, aber gerade erfahrenere Prüfer lassen sich durchaus in ihrem Eifer bremsen, wenn sie sehen, dass es dem geprüften Betrieb nicht besonders gut geht. Haben sich die Geschäfte hingegen sehr positiv entwickelt, dann weisen Sie auf den Nutzen für das Gemeinwesen hin, z. B. hohe Steuerzahlungen, Investitionen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Nach dem Einstiegsgespräch wird der Prüfer gerne einen Rundgang durchs Unternehmen machen und anschließend mit dem Prüfen beginnen.

Falls die Prüfung bei Ihnen (d. h. nicht beim Steuerberater) stattfindet: Sorgen Sie für eine angenehme Atmosphäre im Prüfungszimmer, und bieten Sie Kaffee, Gebäck und Erfrischungsgetränke an. Übertreiben Sie es aber nicht. Laden Sie den Prüfer auch nicht zum Mittagessen ein. Es gibt überkorrekte Prüfer, die so etwas als Bestechungsversuch empfinden. Fragen Sie den Prüfer nicht nach dem Stand seiner Arbeit, ob er z. B. schon etwas gefunden hat. Hierauf können Sie bestenfalls eine blöde Antwort bekommen. Wenn der Prüfer etwas von Ihnen will, meldet er sich schon.

Selbständige Benutzung des Kopiergeräts:
Hier gibt es auch unter erfahrenen Steuerberatern unterschiedliche Meinungen. Während die einen sagen, es würde dem Prüfungsklima dienen, wenn der Betriebsprüfer freien Zugang zum Kopierer hat und sich alle Unterlagen kopieren kann, schwören andere darauf, ihm dies zu untersagen. Er hat nämlich keinen Anspruch auf die Benutzung des Kopierers. Viele lassen sich die zu kopierenden Belege aushändigen, kopieren sie für den Prüfer und fertigen sich bei dieser Gelegenheit selbst eine Kopie an. Diese Kopien kann man dann mit dem Steuerberater besprechen, und rätseln worauf der Prüfer hinaus will.

Unterbrechung der Prüfung: Wenn ein Prüfer sang- und klanglos verschwindet, kann (wohlgemerkt: kann) das einen ernsten Hintergrund haben, nämlich dass er klammheimlich die Steuerfahndung alarmieren will. Das kommt aber eher selten vor. Lassen Sie sich also nicht in Panik versetzen, wenn der Prüfer sagt, er würde morgen nicht kommen, weil er sein Auto in die Inspektion bringen muss. Denn wahrscheinlich muss wirklich nur sein Auto in die Werkstatt.


Arbeitsplatz festlegen, Mitarbeiter anweisen


Falls der Prüfer nicht bei Ihrem Steuerberater prüfen will, sondern zu Ihnen ins Unternehmen kommt, müssen Sie ihm kein eigenes Zimmer, wohl aber einen eigenen Schreibtisch anbieten. Es ist jedoch sehr empfehlenswert, dem Prüfer ein eigenes Zimmer zu geben. Denn wenn er in einem größeren Büro sitzt, wird er vielleicht Dinge hören, die ihn nichts angehen. Und der Prüfer darf alle Informationen verwerten, die er hört. Weisen Sie alle Mitarbeiter im Betrieb an, dem Prüfer keine Auskünfte zu erteilen. Alle Anfragen des Prüfers sind an die festgelegten Auskunftspersonen (in der Regel Chef und Buchhalter) weiter zu verweisen.

 

Der EDV-Zugriff des Prüfers

Seit 2002 dürfen die Betriebsprüfer direkt auf Ihre EDV-Anlage zugreifen, während sie sich früher mit Buchungsunterlagen aus Papier (z. B. Kontenblättern, Summen- und Saldenlisten usw.) zufrieden geben mussten. Hier hat der Prüfer die Wahl zwischen drei Methoden:

1. Zugriff auf einen überlassenen Datenträger (häufigste Variante): Hier verlangt der Prüfer von Ihnen einen maschinell lesbaren und verwertbaren Datenträger. In der Regel dürfte es sich dabei um eine CD-ROM oder um eine DVD handeln. Der Prüfer darf diesen Datenträger nicht selbst erstellen. Er darf auch nicht etwa selbst Daten ohne Ihre Zustimmung auf seinen Laptop exportieren. Datenformat: Die Daten müssen nicht nur lesbar, sondern auch auswertbar sein. Eine Überlassung von PDF-Dateien ist daher nicht ausreichend. Sie müssen aber keine Vorgaben erfüllen, die Ihr System nicht zulässt. Wenn der Prüfer beispielsweise den Datenexport im Excel-Format wünscht, Ihr System diese Möglichkeit aber nicht zulässt, müssen Sie ihm diese auch nicht anbieten.

2. Der unmittelbare Zugriff (wird eher selten verlangt): Bei dieser Variante kann der Prüfer verlangen, dass Sie ihm einen Computer zur Verfügung stellen, bei dem er in einem Nur-Lese-Zugriff auf Ihre Daten zugreifen kann. Hier kann er die von dem Programm selbst zur Verfügung gestellten Auswertungsfunktionen nutzen, sowie Daten filtern oder sortieren, um auf diese Weise neue Informationen zu erhalten.

Wichtig: Falls der Prüfer den unmittelbaren Zugriff verlangt, installieren Sie bitte einen Einzelarbeitsplatz ohne Netzverbindung, auf dem nur Ihre Buchführungssoftware (gegebenenfalls Warenwirtschaft) aufgespielt ist mit den dazugehörigen Daten. So können Sie vermeiden, dass der Betriebsprüfer Zufallsfunde auf Ihrer Festplatte macht

3. Der mittelbare Datenzugriff (wird ebenfalls eher selten verlangt):
Hier setzt sich der Prüfer nicht selbst an Ihren Rechner, sondern verlangt von Ihnen bestimmte Auswertungen. Die Grenzen sind dabei die Auswertungsmöglichkeiten, die Ihre Software zur Verfügung stellt. Sie müssen also nicht etwa zusätzliche Programm-Module anschaffen, um den Prüfer zufrieden zu stellen. In seltenen Fällen ist der Prüfer nicht mit der Überlassung der CD zufrieden, sondern möchte selbst Auswertungen vornehmen. Das muss er Ihnen allerdings rechtzeitig vorher mitteilen.

4. Aktuelle Urteile zum Datenzugriff:
Der Prüfer darf nur Daten digital prüfen, die früher auch in Papierform aufbewahrungspflichtig waren. Unterlagen zu Kostenrechnungen sind z. B. nicht aufbewahrungspflichtig und deshalb darf der Prüfer diese auch nicht digital prüfen (Finanzgericht Rheinland-Pfalz, 13.06.06, EFG 06, 1634).

Praxisproblem: Manchmal lassen sich die Daten nicht so einwandfrei trennen. Überlegen Sie sich daher vorher gut, wie Sie die Daten herausfiltern können, die der Prüfer nicht prüfen soll. Das müssen Sie: Sie müssen original in Papierform erstellte und später durch Scannen digitalisierte Eingangsrechnungen und Ausgangsrechnungen über Ihr Computersystem per Bildschirm lesbar machen. Das können Sie nicht durch das Angebot des Ausdruckens auf Papier abwenden (BFH, 12.11.09, IV B 66/08, BFH/NV 10, 671). Sie dürfen auch nicht bestimmte Einzelkonten (hier: Drohverlustrückstellungen, nicht abziehbare Betriebsausgaben, organschaftliche Steuerumlagen) sperren, die aus Ihrer Sicht die steuerliche Bemessungsgrundlage nicht beeinflusst haben. (BFH, 26.09.07, I B 53, 54/07, DStR 07, 2156)


Was der Prüfer nicht darf: Kostenstellen darf das Finanzamt nur sichten, soweit sie für die Bewertung von Wirtschaftsgütern oder Passiva von Bedeutung sind. Ebenso, wenn es um Bewertung von Vermögensgegenständen oder Rückstellungen oder Bemessung von Verrechnungspreisen geht. Also: Wenn die Kostenstellenrechnung nicht Grundlage für obige Bewertungen ist, darf das Finanzamt sie nicht einsehen (FG Rheinland-Pfalz, 13.06.06, EFG 06, 1634 ). Und: Wenn der Zugriff für die steuerliche Aufklärung nicht notwendig ist, müssen Sie einen Zugriff des Finanzamts nicht zulassen. (BFH, 24.06.09, VIII R 80/06, DStR 09, 2006)


Es geht in die
Endphase: Vorbereitung der Schlussbesprechung

Gehen Sie unbedingt gut vorbereitet in die Schlussbesprechung:
Lassen Sie sich so früh wie möglichdie vorläufigen Prüfungsfeststellungen des Prüfers geben, damit sich Ihr Steuerberater auf diese Themen vorbereiten kann. Legen Sie zu Beginn der Schlussbesprechung einen Protokollführer fest. Denn zwei bis drei Wochen später wissen Sie nicht mehr, was bei jedem einzelnen Punkt besprochen wurde.

Auch in der Schlussbesprechung gilt:
Der Prüfer macht nur seinen Job. Halten Sie sich daher mit persönlichen Anfeindungen zurück. Und denken Sie daran: Die Schlussbesprechung ist ein Kuhhandel. Das Finanzamt hat nämlich ein großes Interesse daran, dass hinsichtlich aller Prüfungsfeststellungen Einigkeit erzielt wird und dass keine Einspruchsverfahren oder gar Klagen kommen. Insoweit ist also durchaus ein gewisser Wille da, dem Steuerzahler entgegenzukommen. Genauso wird es natürlich Punkte geben, wo der Prüfer oder das Finanzamt auf keinen Fall nachgeben will.

Bei Ihnen selbst wird es ähnlich sein. Bei manchen Punkten werden Sie vielleicht nachgeben, andere hingegen keinesfalls akzeptieren.Wichtig ist daher, dass Sie von der tatsächlichen Seite und der rechtlichen Seite her absolut sattelfest sind. Die tatsächliche Seite sollten möglichst Sie selbst abdecken, für die steuerrechtliche ist Ihr Steuerberater zuständig. Beispiel: Sie streiten sich mit dem Betriebsprüfer, wie bei einer bestimmten Immobilien der Kaufpreis auf das Grundstück und das Gebäude aufzuteilen ist. Sie selbst sollten hier topfit sein in Bezug auf  die Wertverhältnisse in dieser Stadt, das Gebäude im Speziellen, Bauweise, Ausstattung, bauliche Mängel usw. Ihr Steuerberater wiederum muss alle Verwaltungsanweisungen und wichtigen BFH-Urteile zu diesem Thema aus dem FF beherrschen. So können Sie sich gegenseitig die Karten zuspielen, und wenn Sie sachlich überlegen argumentieren, gibt mancher Betriebsprüfer nach.

Wenn es während der Prüfung wichtige Entscheidungen zu treffen gibt, sollten Sie den Prüfer um sein Verständnis bitten und sich mit Ihrem Steuerberater zurückziehen, um die Sache mit ihm unter vier Augen zu besprechen. Und wenn völlig neue Aspekte auftreten, lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. Schlagen Sie eine zweite Schlussbesprechung vor. Wichtig: Man sollte unbedingt klarstellen, dass kein Hinweis an die Bußgeld- und Strafsachenstelle erfolgt. Falls dies nicht aus der Welt geräumt wird, sollte man die Besprechungen abbrechen und gegebenenfalls auf einen zweiten Termin drängen. Sollte gar ein Strafverfahren eingeleitet werden, sollte die Schlussbesprechung bis zum Ende des Strafverfahrens zurückgestellt werden. Aber gemach: Die Einleitung eines Strafverfahrens ist sehr selten.


Nach der Schlussbesprechung: der Prüfungsbericht


Oft dauert es leider ein bis zwei Monate, bis nach der Schlussbesprechung der Prüfungsbericht kommt. Hier zeigt sich nun die Bedeutung Ihres Protokolls, um den Inhalt des Prüfungsberichts abzugleichen mit dem, was in der Schlussbesprechung vereinbart wurde. Das ist Aufgabe Ihres Steuerberaters. Übrigens: Falls Sie mit dem Prüfungsbericht nicht einverstanden sind, können Sie nicht Einspruch einlegen. Denn der Prüfungsbericht hat noch keine rechtliche Relevanz, erst die Steuerbescheide, die aufgrund der Feststellungen geändert werden.

Enthält der Prüfungsbericht für Sie positive Beurteilungen eines bestimmten steuerlichen Sachverhalts?
Dann besprechen Sie mit Ihrem Steuerberater, ob man darauf aufbauend eine verbindliche Auskunft des Finanzamts für die zukünftige Behandlung dieses Sachverhalts einholen soll.

Kann man am Prüfungsbericht noch etwas ändern? Wenn Sie jetzt noch nachtarocken wollen, sind die Chancen dafür sehr gering. Denn dafür wäre ja die Schlussbesprechung da gewesen. Eine Nachbesserung sollten Sie aber verlangen, wenn der Prüfungsbericht nicht mit der Schlussbesprechung übereinstimmt. Oder: Wenn inzwischen neue Urteile ergangen sind, die eine rechtlich andere Beurteilung erlauben.

 
Letztes Kapitel: die Änderungsbescheide kommen

Auch hier ist wieder Ihr Steuerberater gefragt. Denn er muss prüfen, ob die Änderungsbescheide mit dem Prüfungsbericht übereinstimmen. Tun sie das nicht, muss er Einspruch einlegen. Vor einem solchen Einspruch empfiehlt sich jedoch ein nochmaliger Kontakt mit dem Betriebsprüfer. Diesem muss klargemacht werden, warum Einspruch eingelegt wird, obwohl in der Schlussbesprechung Einigkeit erzielt wurde. Denn Sie riskieren ansonsten, dass sich das Finanzamt auch an die für Sie positiven Vereinbarungen der Schlussbesprechung nicht gebunden hält, und auch diese in Frage stellt, weil Sie Einspruch eingelegt haben.
 

 


zurück