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25.11.2010

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GmbH oder GmbH & Co. KG – was ist die bessere Rechtsform?

Wer eine haftungsbeschränkte Rechtsform sucht, für den gibt es eigentlich nur zwei Alternativen, nämlich die GmbH & Co. KG oder die normale GmbH. Was ist besser?

1. Gewinne einbehalten – Punkt geht an die GmbH: Wer hohe Gewinne macht und diese nicht ausschütten will, hat bei der GmbH den Vorteil, dass diese nur 15 % Körperschaftssteuer zahlt. Je nach Standort und Gewerbesteuerhebesatz liegt die Gesamtbelastung bei 26 bis 30 %. Für die GmbH & Co KG gibt es zwar seit 2008 einen Niedrigsteuersatz für nicht ausgeschüttete Gewinne, diese Vorschrift ist aber mit vielen Fallstricken verbunden und steuersystematisch misslungen. Keine echte Alternative.

2. Gewinne sollen ausgeschüttet werden – Punkt geht an die GmbH & Co KG: Schütten Sie alle oder fast alle Gewinne aus, ist die GmbH teurer. Denn zusätzlich zu Körperschaftssteuer und Gewerbesteuer kommt noch die Abgeltungssteuer dazu. So landen Sie oft bei 47 bis 49 % Gesamtsteuer. Bei der GmbH & Co KG können Sie die Gewerbesteuer auf die Einkommenssteuer anrechnen und kommen bei Vollausschüttung – abgesehen von teuren Städten wie Frankfurt oder München – mit 44,3 % incl. Soli davon.

3. Geeignet bei Gewinnschwankungen – Punkt geht an die GmbH & Co KG: Hier müssen Sie sich nicht festlegen durch starre Mieten, Geschäftsführer-Gehälter usw. Sie versteuern einfach Ihren Gewinn – egal ob Sie ihn ausschütten oder nicht. Machen Sie in einem schlechten Jahr keinen Gewinn, zahlen Sie automatisch keine Steuern. Die GmbH hingegen ist unflexibel. Wenn Sie hohe Gewinne machen, ist es clever, diese durch hohe Geschäftsführer-Gehälter abzusaugen. Ein solches ist jedoch in einer Krise schlecht, weil nicht nutzbare Verluste in der GmbH auflaufen, während Sie privat Lohnsteuer zahlen. Ständig nach Kassenlage das Gehalt rauf und runter setzen, wird aber bei einer GmbH vom Finanzamt nicht akzeptiert.

4. Verluste – Punkt geht an die GmbH & Co KG: Verluste aus einer GmbH & Co KG können Sie – zumindest solange als kein negatives Kapital entsteht - mit anderen Einkünften verrechnen, zum Beispiel Zinsen, Mieten oder Einkünften des Ehepartners. Verluste einer GmbH hingegen stecken in dieser fest und können allenfalls mit zukünftigen Gewinnen dieser GmbH verrechnet werden.

5. Pensionszusage – halber Punkt geht an die GmbH: Bei einer GmbH können Sie gewinnmindernde Rückstellungen für Ihre eigene Altersversorgung bilden. Sie bauen diese also zum Teil mit ersparten Steuern auf. Allerdings: Was in den 80er-/90er-Jahren noch ein echter Hit war, ist inzwischen wegen der niedrigen Steuersätze nicht mehr besonders interessant. Also nur ein halber Punkt für die GmbH.

6. Betriebliche Immobilien – Punkt geht an die GmbH & Co KG:
Nutzen Sie "private" Immobilien betrieblich, werden und bleiben diese bei einer GmbH & Co KG Betriebsvermögen. Bei einer GmbH entsteht hingegen die wacklige Konstruktion einer "Betriebsaufspaltung", deren ungewolltes Auseinanderbrechen zu einer Steuerlawine führen kann. Das kann man zwar in den Griff bekommen, aber die GmbH & Co KG bietet einfach mehr Sicherheit.

7. Handhabung im Alltag – Punkt geht an die GmbH & Co KG: Bei einer GmbH brauchen Sie vielerlei Verträge wie zum Beispiel einen Geschäftsführeranstellungsvertrag, unter Umständen Darlehensverträge, Mietverträge. Gewinne können Sie nicht einfach so auf Ihr Konto überweisen, sondern Sie brauchen einen Gewinnausschüttungsbeschluss. Bei einer GmbH & Co KG ist alles ganz einfach. Aus steuerlicher Sicht brauchen Sie überhaupt keine Verträge (außer wenn Sie Angehörige beschäftigen) und wenn Sie Geld brauchen, können Sie das einfach auf Ihr Privatkonto überweisen (sofern kein anderer Gesellschafter protestiert).

8. Anteilsverkauf – Punkt geht an die GmbH:
Hier haben wir einen echten Vorteil der GmbH, denn Gewinne aus einem Anteilsverkauf sind immer zu 40 % steuerbefreit. Das unabhängig davon, wie alt der Gesellschafter ist oder wie oft er Anteile verkauft. Verkaufen Sie hingegen Ihre GmbH & Co KG, bekommen Sie nur einmal im Leben und nur wenn Sie über 55 Jahre alt sind, einen ermäßigten Steuersatz (56 % des normalen Steuersatzes).

9. Erbschaftssteuer – Punktegleichstand: Bis 2008 waren GmbH & Co KGs hier deutlich bevorzugt, seit 2009 sind alle Unternehmensformen weitgehend gleichgestellt. Also 0:0 in diesem Punkt.

10. Veröffentlichungspflicht /Unternehmensregister – Punkt geht an die GmbH & Co KG: Sie haben zwar etwas höhere Kosten, weil Sie nicht nur die GmbH & Co. KG-Bilanz, sondern auch die der Komplementär-GmbH offen legen müssten, ein Riesenvorteil bei der Offenlegung ist aber, dass man bei der GmbH & Co KG (zumindest unter 10 Mio. Umsatz) den Gewinn nicht zeigen muss. Eine GmbH muss hingegen auch als kleine Gesellschaft mit unter 10 Mio. Umsatz ihren Jahresüberschuss in der Bilanz ausweisen.


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